Samstag, 20. Januar 2018

Klassenrat - praktische Erfahrung

Schon länger habe ich überlegt, einen Klassenrat in meiner Klasse zu initiieren. Was mich bisher davon abgehalten hat, war die Tatsache, dass ich Sorge hatte, dass es eine "Meckerstunde" wird. Eine Fortbildung zum Thema hat mich nun besser informiert und ich habe nach den Ferien zum Start in das letzte halbe Jahr in meiner Klasse 4 den Klassenrat ausprobiert. 

Davon möchte ich euch hier berichten..

Zunächst war für mich wichtig zu erfahren, dass nur Dinge im Klassenrat besprochen werden, die mehr als zwei Kinder der Klasse betreffen!

So habe ich ganz unkompliziert mit der Einführung von Klassenrat begonnen und den Schülerinnen und Schülern Folgendes dazu erklärt:

Ich möchte euch den Klassenrat vorstellen. Dies ist eine Methode, in der ihr über Anliegen, die zwei oder mehr Kinder der Klasse betreffen, sprechen und euch abstimmen könnt. Der Klassenrat wird von euch geleitet und es gibt verschiedene Rollen, die jedes Mal wechseln.

Zuvor gibt es eine Box, in der ihr euer Anliegen auf einem Zettel mit Namen versehen notieren könnt.

Der oder die Vorsitzende öffnet zu Beginn der Klassenratsstunde die Box und liest die Anliegenzettel vor. Er oder sie lässt darüber abstimmen, welche Zettel am wichtigsten sind.

Ein Protokollant notiert die Reihenfolge der Anliegen und das jeweilige Thema. 

Derjenige, der den Zettel geschrieben hat, kann sein Anliegen zuerst vorbringen und auch noch sagen, warum es ihm wichtig ist, dass darüber gesprochen wird oder es näher erläutern.

Die Klassenregeln wie nicht kommentieren, reinrufen, sich melden etc. gelten auch im Klassenrat. Dazu gibt es den Regelwächter, der durch nonverbale Zeichen auf die Regeleinhaltung aufmerksam macht.

Damit alle oder viele Anliegen behandelt werden können, achtet der Zeitwächter auf die Zeit und sagt 5 Minuten vor Ende Bescheid, damit die Ergebnisse vom Protokollant nochmal zusammengefasst werden können. 

Für Lösungen zum Anliegen nimmt der Vorsitzende die Schüler, die sich melden dran, der Protokollant notiert ggf. die Ideen.

Zum Abschluss wird über die Vorschläge abgestimmt. Der beste Lösungsvorschlag wird bis zur nächsten Klassenratsitzung umgesetzt und zu Beginn gefragt, wie es geklappt hat.

Der Protokollant notiert die Ergebnisse, damit nichts vergessen wird.

Nach diesem Überblick war ich sehr gespannt, was passieren würde und ob die Schüler dies zunächst mit meiner Rolle als "stellvertretende Vorsitzende", die noch einflüstert, was der Vorsitzende zu tun hat, durchführen können.

Es klappte tatsächlich wunderbar: Das erste Anliegen war die Hausschuhsituation im Flur. Da drei Klassen im Flur die Hausschuhe wechseln müssen, gerät hier oft einiges durcheinander und trotz der Schuhbänke reicht der Platz nicht aus.

Diese Situation wollte eine Schülerin besprochen haben. Es wurden zunächst Ideen ausgetauscht mit den anderen Klassen zu sprechen, um mehr Bänke von ihnen zu bekommen. Auch der Vorschlag eines höheren Schuhschranks kam. Schließlich kam der Einwand eines Schülers, man könne doch die Straßenschuhe draußen abstellen und die Hausschuhe in der Klasse auf Bänken lagern und dort holen und anziehen. Eine Abstimmung zwischen Bänke erfragen, höhere Bänke oder Hausschuhe im Klassenraum ergab ein eindeutiges Ergebnis, welches wir sofort umsetzten:
Einige Schüler hatten noch Bänke unter der Treppe gesehen, die wir im Klassenraum neben der Tür aufstellten. Einige Schülerinnen schrieben Namensschilder und klebten diese an etc.

Nun bin ich sehr gespannt auf das Feedback der neuen Regelung (auf die ich überhaupt nicht gekommen wäre ;-)) und bin sehr gespannt, wie es weitergeht mit unserem Klassenrat. Ein guter Start jedenfalls und die Schüler konnten sehr schnell ihre Rolle übernehmen (waren regelrecht begeistert eine Funktion zu bekommen) und ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe, diese Methode einmal auszuprobieren...

Vielleicht habt ihr auch bereits Klassenratserfahrungen, die ihr in den Kommentaren beitragen möchtet oder wenn ihr mögt, berichte ich gerne wie es bei uns weitergeht...

Weitere Ideen, Material und Ausführungen zum Klassenrat findet ihr auf der Seite
Viele Grüße für ein gutes, gesundes, erfolgreiches, fröhliches und tolles neues Jahr 2018!

Marion Keil




Kommentare:

  1. Hallo Marion,
    ich habe schon seit einigen Jahren den Klassenrat in meinen Unterricht eingebaut. Angefangen habe ich wie du nach einer Fortbildung im 4. Schuljahr. Mit meiner derzeitigen Klasse habe ich im 2. Schuljahr begonnen und es hat damals nicht lange gedauert, bis sie alles selbständig regeln konnten. Damals fungierte ich nur noch bei dem ein oder anderen Protokollschreiber als Sekretärin, weil das Aufschreiben noch so lange dauerte. Jetzt im 4. Schuljahr klären sie schon vor der Klassenratstunde, ob die Zettel im Briefkasten noch aktuell sind und tatsächlich einer Klärung bedürfen (z.B. weil es eine Klassenregel betrifft und darüber nicht noch einmal neu gesprochen werden muss) - das klärt der Briefträger kurz und knapp mit dem jeweiligen Kind. So kommt es manchmal vor, dass wir keinen Klassenrat machen müssen, weil nichts anliegt. Dann nutze ich die Zeit für ein allgemeines Feedback meinerseits.
    Ich bin immer wieder erstaunt, welche Ideen und gute Vorschläge mache Kinder haben, oft auch solche, die sonst eher still sind. Das setzt ein großes Vertrauen innerhalb der Klasse voraus - in diesem Jahrgang habe ich Glück - es passt und keiner wurde bisher hinterher wegen eines Beitrags schief angeguckt.
    Viele Grüße und viel Erfolg bei den weiteren Klassenratstunden
    Andrea

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    1. Hallo Andrea,
      das hört sich alles total gut an und macht mir Lust und Mut den Klassenrat weiter auszuprobieren. Deine Idee mit der "Vorabklärung" durch einen "Briefträger" finde ich super und werde ihn auch noch als Posten aufnehmen!
      Vielen Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrung.
      Viele Grüße Marion

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